Was ist ein Mittelherkunftsnachweis für Kryptowährungen? Damit belegst du gegenüber Bank oder Börse, dass dein Geld und deine Coins aus legalen Quellen stammen. Banken und Krypto-Börsen müssen das nach dem Geldwäschegesetz prüfen. Eine feste Betragsgrenze gibt es dabei nicht. Wer seine Käufe von Anfang an dokumentiert, hat den Nachweis schnell zusammen. Wer Jahre später alles rekonstruieren muss, braucht oft Tage.

Ich musste schon bei Bitpanda und Kraken nachweisen, woher mein Geld stammt. Eingereicht habe ich meine vergangenen Käufe und Trades, nach rund einer Woche war die Prüfung jeweils abgeschlossen. Größere Auszahlungen kündige ich bei meiner Bank vorher an und hatte damit bisher nie Probleme. In diesem Ratgeber zeige ich dir, wann ein Nachweis verlangt wird, was hineingehört und wie du ihn so aufbaust, dass er beim ersten Mal durchgeht.

Warnung

Keine Rechtsberatung. Ich bin kein Anwalt: Was du hier liest, habe ich selbst recherchiert und mit meinen eigenen Erfahrungen ergänzt, Stand Oktober 2026. Sperrt deine Bank ein Konto oder geht es um sehr große Beträge, lass dich von einem Anwalt für Bankrecht beraten.

Was ist ein Mittelherkunftsnachweis?

Ein Mittelherkunftsnachweis ist kein einzelnes Formular, sondern eine Sammlung von Belegen, die eine Frage beantwortet: Woher stammt das Geld, das gerade bewegt wird? Bei Kryptowährungen geht es um zwei Teile:

  • Der Krypto-Teil: Wann und wo du die Coins gekauft, getauscht, gestakt oder übertragen hast, bis zur aktuellen Auszahlung.
  • Der Euro-Teil: Woher das Geld stammt, mit dem du ursprünglich gekauft hast, etwa Gehalt, Ersparnisse, eine Erbschaft oder ein Hausverkauf.

Verlangen können ihn Krypto-Börsen und Broker, deine Bank beim Geldeingang aus einem Krypto-Verkauf und ein Notar, wenn du mit Krypto-Gewinnen zum Beispiel eine Immobilie kaufst.

Wann und ab welchem Betrag wird er verlangt?

Die häufigste Frage ist die nach dem Betrag. Die ehrliche Antwort: Eine feste Grenze gibt es nicht. Oft liest man „ab 10.000 €“, im Geldwäschegesetz steht diese Grenze für Banken und Börsen aber nicht.

Was im Gesetz steht:

  • Laufende Überwachung: Banken und Börsen müssen deine Transaktionen laufend überwachen und, „soweit erforderlich“, mit Informationen über „die Herkunft der Vermögenswerte“ abgleichen (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 GwG). Wann das erforderlich ist, entscheiden sie nach ihrer Risikoeinschätzung.
  • Krypto-Transfers ab 1.000 €: Für Kryptowertetransfers außerhalb einer Geschäftsbeziehung gelten die Sorgfaltspflichten schon ab einem Gegenwert von 1.000 €, bei Verdacht unabhängig vom Betrag (§ 10 Abs. 3 GwG).
  • Eigene Wallets über 1.000 €: Seit dem 30. Dezember 2024 gilt die EU-Geldtransferverordnung für Kryptowerte, oft „Travel Rule“ genannt. Sendest du mehr als 1.000 € an eine eigene Wallet oder empfängst du von dort, muss die Börse prüfen, ob die Adresse wirklich dir gehört (Verordnung (EU) 2023/1113, Erwägungsgrund 39). Daher die Frage „Gehört dir diese Wallet?“ bei vielen Börsen.

In der Praxis lösen vor allem diese Situationen einen Nachweis aus:

  • eine große Auszahlung oder Einzahlung, die nicht zu deinem bisherigen Verhalten passt
  • Coins, die von einer eigenen Wallet oder einer anderen Börse eingehen
  • lange Ruhe im Konto und dann plötzlich viel Bewegung
  • Coins, die über risikoreiche Dienste gelaufen sind, etwa Mixer
  • eine Überweisung von der Börse auf dein Bankkonto, die deutlich größer ist als sonst

Die genauen Kriterien machen die Anbieter nicht öffentlich. Manchmal wird ein kleiner Betrag geprüft, ein größerer nicht.

Diese Unterlagen brauchst du

Je vollständiger die Kette, desto schneller die Prüfung. Diese Belege solltest du griffbereit haben:

Euro-Teil (Herkunft des Geldes):

  • Kontoauszüge mit den Überweisungen an die Börse
  • Belege für die Quelle des Geldes: Gehaltsabrechnungen, Sparbuch, Kaufvertrag (z. B. Auto oder Immobilie), Erbschein oder Schenkungsvertrag

Krypto-Teil (Weg der Coins):

  • Einzahlungsbestätigungen der Börse
  • Kaufbestätigungen und die vollständige Transaktionshistorie als Export (CSV oder PDF) von jeder Börse
  • Transaktions-IDs für Transfers zwischen Börsen und Wallets
  • Belege für Staking-, Lending- oder Mining-Erträge
  • der Verkauf, der zur aktuellen Auszahlung geführt hat
Grafik der Nachweiskette in fünf Schritten: Herkunft des Euro-Gelds, Einzahlung bei der Börse, Kauf und Tausch, Transfers zwischen Wallets, Verkauf und Auszahlung, jeweils mit den passenden Belegen
Die Kette deines Nachweises: Zu jedem Schritt gehört ein Beleg · Quelle: eigene Grafik

Mittelherkunftsnachweis erstellen: So baust du ihn auf

Prüfer haben wenig Zeit. Je leichter sie deinen Weg nachvollziehen können, desto schneller bist du durch. Bewährt hat sich dieser Aufbau als eine PDF-Datei:

  1. Kurze Zusammenfassung (halbe Seite): Um welche Auszahlung geht es, welcher Betrag, und in zwei, drei Sätzen der Weg, zum Beispiel: „Seit 2020 habe ich monatlich 200 € von meinem Gehaltskonto an die Börse überwiesen und davon Bitcoin gekauft. Die jetzt verkauften 0,5 BTC stammen aus diesen Käufen.“
  2. Zeitleiste: Eine Tabelle mit Datum, Vorgang, Betrag und der Nummer des Belegs.
  3. Belege, nummeriert: In derselben Reihenfolge wie die Zeitleiste, wichtige Stellen markiert (Name, Datum, Betrag, Transaktions-ID).
  4. Euro-Herkunft: Am Ende die Belege, woher das eingezahlte Geld stammt.

Dabei gilt: lieber vollständig und übersichtlich als ein Stapel ungeordneter Screenshots. Beträge, die nichts mit der Auszahlung zu tun haben, musst du nicht offenlegen.

Eine fertige Vorlage zum Ausfüllen bereite ich gerade als kostenlosen Download vor. Wenn du sie nicht verpassen willst, trag dich in meinen Newsletter ein.

Sonderfälle

Hardware-Wallet und eigene Wallet

Bei Coins auf einer eigenen Wallet gibt es keine Kontoauszüge einer Börse. Du musst zusätzlich zeigen, dass die Adresse dir gehört. Börsen fragen das je nach Anbieter unterschiedlich ab:

  • Selbsterklärung: Du bestätigst per Formular, dass dir die Wallet gehört.
  • Signierte Nachricht: Du signierst mit der Wallet eine Nachricht, die die Börse vorgibt. Viele Wallets können das, bei Trezor zum Beispiel in der Trezor Suite. Mehr zu den Geräten steht in meinen Tests des Trezor Safe 3 und der BitBox02.
  • Testüberweisung: Du sendest einen kleinen, von der Börse vorgegebenen Betrag von der Wallet.

Die Blockchain hilft dabei: Jeder Transfer ist öffentlich nachvollziehbar. Notiere dir deshalb bei jedem Transfer die Transaktions-ID und zu welcher Wallet die Adresse gehört. Ich verkaufe meine Coins über Börsen und musste den Besitz einer Wallet bisher noch nicht nachweisen.

Alte Käufe und geschlossene Börsen

Am schwierigsten sind Käufe von vor vielen Jahren, gerade bei Börsen, die es nicht mehr gibt. Was dann hilft:

  • alte E-Mails mit Kauf- oder Einzahlungsbestätigungen durchsuchen
  • Kontoauszüge der Bank aus der Zeit anfordern, die Überweisungen an die Börse zeigen
  • alte Exporte oder Steuerunterlagen, in denen die Käufe stehen
  • die Transfers auf der Blockchain mit einem Explorer nachweisen

Lässt sich eine Lücke nicht schließen, erkläre sie offen in der Zusammenfassung. Ein nachvollziehbarer Grund wirkt besser als eine stillschweigende Lücke.

Mining, Staking, Schenkung und Erbschaft

  • Staking und Lending: Die Erträge stehen in der Historie der Börse. Wie sie versteuert werden, erkläre ich in Krypto-Staking-Steuern.
  • Mining: Belege für die Hardware, den Strom und die Auszahlungen des Mining-Pools.
  • Schenkung oder Erbschaft: Schenkungsvertrag, Erbschein oder Testament, dazu die Übertragung der Coins mit Transaktions-ID.

Tools: CoinTracking und Blockpit

Den Krypto-Teil musst du heute nicht mehr von Hand zusammensuchen. Beide Steuer-Tools, die ich getestet habe, erstellen einen eigenen Herkunftsnachweis: Du wählst eine Auszahlung, und das Tool verfolgt die Coins bis zur Euro-Einzahlung, zum Kauf oder zum Staking-Ertrag zurück.

  • CoinTracking: Der Herkunftsnachweis ist ab dem Tarif Pro enthalten. Du bekommst ein PDF für Bank oder Notar und eine CSV für den Steuerberater, Lücken in der Historie weist der Bericht offen aus.
  • Blockpit: Jeder Nachweis kostet einen Credit, ein Credit kostet 19,99 € (Stand: Oktober 2026). Nach Änderungen lässt er sich ohne weiteren Credit neu erstellen.

Für meinen CoinTracking-Test habe ich einen Nachweis für eine kleine Auszahlung aus meinem eigenen Konto erstellt. CoinTracking hat sie in Sekunden auf zwei Staking-Belohnungen zurückgeführt:

Übersichtsseite eines Krypto-Herkunftsnachweises von CoinTracking: Auszahlung von 0,5279 BEST im Wert von 0,16 Euro bei Bitpanda am 16.07.2025, 3 Transaktionen, 2 nachverfolgte Ebenen, Aufteilung nach Fiat-Einzahlungen, Krypto-Einzahlungen und sonstigen Quellen
Herkunftsnachweis von CoinTracking für eine kleine Auszahlung aus meinem Konto bei Bitpanda · Quelle: eigener Screenshot aus dem CoinTracking-Herkunftsnachweis, Stand 20.10.2026

Zwei Grenzen haben beide Tools:

  • Nur so gut wie deine Daten: Fehlen alte Börsen oder Wallets im Tool, entsteht eine Lücke im Bericht.
  • Kein Euro-Teil: Woher das Geld für die ersten Einzahlungen stammt, weiß kein Tool. Die Belege dafür legst du selbst bei.
Logo von CoinTracking

CoinTracking8,6/10

  • Verfolgt jede Auszahlung bis zur Einzahlung zurück
  • PDF für Bank und Notar, CSV für den Steuerberater
  • Ab Tarif Pro enthalten
Zum Testbericht*Werbelink · Selbst getestet seit 08/2017

10 % Rabattauf alle TarifeCodeC953724

Ein normaler Steuerreport reicht als Nachweis dagegen meist nicht. Er berechnet Gewinne und Verluste eines Jahres, zeigt aber nicht den Weg jedes Coins. Welches Steuer-Tool zu dir passt, steht im Krypto-Steuer-Software-Vergleich.

Auszahlung aufs Bankkonto: So vermeidest du Ärger

Auch wenn die Börse alles geprüft hat, kann deine Hausbank beim Geldeingang noch einmal fragen. Mein Vorgehen, mit dem ich bisher nie Probleme hatte:

  1. Vorher ankündigen: Bei einer größeren Auszahlung rufe ich bei meiner Bank an oder schreibe ihr, bevor das Geld kommt: von welcher Börse, welcher Betrag, ungefähr wann.
  2. Nachweis gleich mitschicken: Die Zusammenfassung und den Herkunftsnachweis lege ich direkt bei. Dann muss die Bank nicht erst nachfragen.
  3. Auf das eigene Konto: Lass Auszahlungen immer auf ein Konto auf deinen Namen gehen, nie an Dritte.
  4. Ruhig bleiben: Fragt die Bank trotzdem nach, ist das Routine und kein Vorwurf. Schnell und vollständig antworten verkürzt die Prüfung.

Welche Börsen in Deutschland und der EU eine Lizenz haben, steht in Krypto-Börsen mit BaFin-Lizenz und im Ratgeber zur MiCA-Verordnung.

Was passiert, wenn du die Herkunft nicht nachweisen kannst?

Kannst du die Herkunft nicht belegen, darf der Anbieter vorsichtig sein, und er muss es teilweise sogar:

  • Transaktion zurückhalten: Die Auszahlung oder Gutschrift wird erst ausgeführt, wenn die Prüfung abgeschlossen ist.
  • Konto einschränken oder kündigen: Viele Börsen sperren bis zur Klärung Auszahlungen, im Extremfall endet die Geschäftsbeziehung.
  • Verdachtsmeldung: Deuten Tatsachen auf Geldwäsche hin, muss die Bank oder Börse unverzüglich eine Meldung an die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen abgeben, unabhängig vom Betrag (§ 43 GwG).

Das klingt dramatisch, betrifft aber vor allem Fälle, in denen jemand gar nichts vorlegen kann oder nicht antwortet. Reiche lieber eine unvollständige Kette mit ehrlicher Erklärung ein als gar nichts, und hol dir bei einer Kontosperre anwaltliche Hilfe.

Fazit und Checkliste

Ein Mittelherkunftsnachweis ist für Krypto-Anleger inzwischen normal, und mit den richtigen Unterlagen kein großes Problem. Bei mir waren die Prüfungen bei Bitpanda und Kraken nach rund einer Woche erledigt. Der Schlüssel ist eine lückenlose Dokumentation von Anfang an, am einfachsten mit einem Tool wie CoinTracking.

Deine Checkliste:

  • Alle Börsen und Wallets in einem Tool erfassen und regelmäßig importieren.
  • Kontoauszüge mit Einzahlungen an Börsen aufbewahren.
  • Zu jedem Transfer zwischen Wallets die Transaktions-ID notieren.
  • Belege für die Herkunft größerer Summen sichern (Gehalt, Verkauf, Erbschaft).
  • Vor einer großen Auszahlung den Nachweis vorbereiten und die Bank informieren.
  • Den Nachweis aufbauen als Zusammenfassung, Zeitleiste und nummerierte Belege.

Was das Finanzamt seit 2026 von deinen Börsen automatisch erfährt, erkläre ich in Krypto-Steuern in Deutschland.