Open-Source-Hardware-Wallets legen ihren Code offen, sodass Fachleute auf der ganzen Welt prüfen können, was das Gerät mit deinen Schlüsseln macht. Die zwei bekanntesten habe ich selbst im Einsatz und getestet: die BitBox02* seit 2019 und den Trezor Safe 3* seit 2023. Die BitBox02 liegt bei mir mit einer Bewertung von 8,8 knapp vor dem Safe 3 mit 8,7. Der Trezor ist mit 59 € deutlich günstiger, die BitBox02 bequemer zu bedienen.
Eines vorweg, weil es fast überall fehlt: Komplett offen ist keine Hardware-Wallet mit Sicherheitschip. Was genau offen ist, warum Ledger nicht dazugehört und warum offener Code allein noch keine Sicherheit garantiert, zeige ich dir hier.
Warnung
Keine Anlageberatung. Kryptowährungen schwanken stark im Kurs, ein Totalverlust ist möglich. Mit einer Hardware-Wallet bist du selbst für deine Coins verantwortlich: Geht dein Backup verloren, sind sie weg.
Was bedeutet Open Source bei einer Hardware-Wallet?
Open Source heißt: Der Quellcode ist öffentlich, meist bei GitHub, und jeder darf ihn lesen, prüfen und selbst übersetzen. Bei einer Hardware-Wallet können das drei verschiedene Dinge sein:
- Firmware: die Software auf dem Gerät, die deinen Seed erzeugt, deine Schlüssel verwaltet und Transaktionen signiert. Das ist der wichtigste Teil.
- App: das Programm auf Rechner oder Handy, etwa die BitBoxApp oder die Trezor Suite. Sie zeigt Kontostände und schickt Transaktionen zum Gerät.
- Hardware: Schaltpläne und Bauteillisten. Damit lässt sich prüfen, ob die Platine so aufgebaut ist wie beschrieben.
Damit offener Code dir etwas bringt, muss außerdem klar sein, dass auf deinem Gerät genau dieser Code läuft. Dafür gibt es reproduzierbare Builds: Du übersetzt den veröffentlichten Code selbst und vergleichst das Ergebnis mit der offiziellen Firmware. Stimmen beide überein, ist nichts Verstecktes eingebaut. Trezor beschreibt den Ablauf in seiner Dokumentation, Bitbox im Quellcode der BitBox02. Ich habe das nicht selbst nachgebaut. Das machen Entwickler und Projekte aus der Szene, und genau das ist der Vorteil: Du musst nicht alles selbst prüfen, aber jeder könnte es.
Warum der Sicherheitschip fast nie offen ist
Moderne Hardware-Wallets haben einen eigenen Sicherheitschip (Secure Element). Er schützt vor Angriffen, bei denen jemand dein Gerät in die Hand bekommt und versucht, die Schlüssel mit Spezialwerkzeug auszulesen. Diese Chips kaufen die Hersteller bei Firmen wie Infineon, Microchip oder STMicroelectronics ein. Deren Firmware ist geschlossen, oft steht sie sogar unter einem Geheimhaltungsvertrag.
Trezor und Bitbox lösen das so: Der Chip bewahrt nur ein Geheimnis auf, das zusammen mit deiner PIN oder deinem Passwort den Seed entschlüsselt. Der Seed selbst liegt verschlüsselt auf dem Hauptprozessor, und der Code dafür ist offen. Trezor hat für den Safe 3 einen Chip gewählt, für den es keinen Geheimhaltungsvertrag braucht, und darf mögliche Lücken darin frei veröffentlichen (Trezor). Das ist ein sauberer Kompromiss, aber eben keine hundertprozentige Offenheit.

Ist Ledger Open Source?
Teilweise. Ledger legt nach eigenen Angaben die App Ledger Wallet (früher Ledger Live), das Entwicklerpaket und die Apps offen, die du auf das Gerät lädst. Geschlossen ist der untere Teil des Betriebssystems, der direkt auf dem Sicherheitschip läuft. Den darf Ledger wegen eines Geheimhaltungsvertrags mit dem Chiphersteller nicht veröffentlichen. Ledger begründet das so: Man habe sich für den sichereren Chip entschieden und dafür in Kauf genommen, nicht alles offenlegen zu können. Die geschlossenen Teile würden von externen Prüfern untersucht (Ledger, Ledger Entwicklerportal).
Der Unterschied zu Trezor und Bitbox: Bei Ledger liegen deine Schlüssel im Sicherheitschip, und die Software, die damit arbeitet, kannst du nicht vollständig einsehen. Du musst Ledger an dieser Stelle vertrauen.
Wie sehr das ins Gewicht fällt, hat 2023 Ledger Recover gezeigt. Der freiwillige Bezahldienst kann eine verschlüsselte Sicherung deiner Seed Phrase auf drei Firmen verteilen. Vielen wurde erst da klar, dass eine Firmware den Seed grundsätzlich aus dem Gerät herausgeben kann, wenn der Hersteller das einbaut. Bei offener Firmware wäre so eine Funktion vorher im Code aufgefallen. Mehr zu Ledger Recover steht in Krypto sicher aufbewahren.
Trotzdem: Ich nutze meine Ledger-Geräte weiterhin. Der Ledger Nano X ist ein solides Gerät, und der geschlossene Teil ist kein Beweis für eine Hintertür. Er ist eine Vertrauensfrage. Wer dieses Vertrauen nicht geben will, greift zu einer Open-Source-Alternative.
Open Source heißt nicht automatisch sicher
Offener Code macht Fehler sichtbar, verhindert sie aber nicht. Das zeigen ausgerechnet die Hersteller, die sich Offenheit auf die Fahne schreiben:
- Trezor, 2020: Kraken Security Labs hat gezeigt, dass sich beim Trezor One und Model T die verschlüsselte Seed Phrase mit rund 15 Minuten Zugriff auf das Gerät auslesen ließ. Die Schwäche steckte im Chip und ließ sich per Update nicht beheben (Kraken). Eine zusätzliche Passphrase schützte davor. Die heutigen Safe-Modelle haben dafür einen Sicherheitschip.
- Trezor, 2024: Im Januar 2024 haben Unbekannte den Support-Dienst eines Drittanbieters geknackt. Betroffen waren Namen und E-Mail-Adressen von bis zu 66.000 Kunden, keine Coins und keine Seed Phrases. Danach folgten Phishing-Mails (Trezor).
- Trezor Safe 3, 2024: Das Sicherheitsteam von Ledger hat gemeldet, dass sich beim Safe 3 einige Schutzmechanismen gegen manipulierte Geräte umgehen lassen, wenn ein Angreifer das Gerät vor dir in die Hände bekommt (Trezor).
- BitBox02, 2026: Im Juli und August 2026 hat Bitbox mehrere Lücken offengelegt und geschlossen, eine davon schwer. Laut Bitbox wurden keine Gelder gestohlen (Bitbox).
- Coldcard, 2026: Coldcard-Geräte mit bestimmten Firmware-Versionen haben jahrelang zu schwache Seed Phrases erzeugt, Angreifer konnten die Schlüssel nachrechnen (Coinkite). Der Fehler stand seit 2021 im öffentlich lesbaren Code. Gefunden hat ihn trotzdem lange niemand.
Was ich daraus mitnehme: Offener Code ist ein Pluspunkt, weil Lücken eher auffallen und offen besprochen werden. In allen Fällen oben haben die Hersteller die Probleme selbst veröffentlicht. Schützen tun dich aber vor allem drei Dinge: Firmware-Updates zeitnah einspielen, das Gerät nur direkt beim Hersteller kaufen und dein Backup sicher verwahren.
Am Ende bleibt es auch mit offenem Code eine Vertrauensfrage an den Hersteller und sein allgemeines Geschäftsgebaren: Wie offen spricht er über Lücken, wie geht er mit Kundendaten um, und welche Zusatzdienste und Werbung baut er in seine App ein? Darauf schaue ich bei der Auswahl genauso wie auf den Code.

Trezor oder BitBox? Mein Vergleich
Beide Hersteller machen seit Jahren nichts anderes als Hardware-Wallets, beide legen ihren Code offen, und beide nutze ich selbst. Die BitBox02 und den Safe 3 habe ich im Oktober 2026 neu eingerichtet, die Adresse am Gerät geprüft und aus dem Backup wiederhergestellt. Die BitBox02 Nova und den Trezor Safe 5 habe ich nicht selbst getestet, die Angaben dazu stammen von den Herstellern.
| Merkmal | BitBox02 | BitBox02 Nova | Trezor Safe 3 | Trezor Safe 5 |
|---|---|---|---|---|
| Preis beim Hersteller | 149 € | 175 € | 59 € | 129 € |
| Meine Bewertung | 8,8 | nicht selbst getestet | 8,7 | nicht selbst getestet |
| Firmware offen | ja | ja | ja | ja |
| Sicherheitschip | ja | ja, EAL6+ | ja, EAL6+ | ja, EAL6+ |
| Bedienung | Berührungsflächen | Berührungsflächen | zwei Tasten | Farb-Touchscreen |
| Backup | microSD-Karte und 24 Wörter | microSD-Karte und 24 Wörter | 12, 20 oder 24 Wörter | 12, 20 oder 24 Wörter |
| iPhone | nein | ja, per Bluetooth | nur ansehen | nur ansehen |
| Bitcoin-only-Ausführung | ja | ja | ja | ja |
| Beim Hersteller | BitBox02* | Nova* | Safe 3* | Safe 5* |
Stand: November 2026, Preise und technische Angaben laut Hersteller.
BitBox02: die bequemste Open-Source-Wallet
Die BitBox02 kommt von Bitbox aus dem Kanton Zürich, die Firma hieß früher Shift Crypto. Bitbox veröffentlicht nicht nur Firmware und App, sondern auch Schaltpläne und Röntgenbilder der Platine (Bitbox). Im Alltag gefällt mir die Bedienung über die Berührungsflächen an den Seiten am besten von allen Geräten, die ich habe. Das Backup auf der beiliegenden microSD-Karte war im Test in rund einer Minute erledigt, die Wiederherstellung dauerte rund 3 Minuten.
Die Schwächen: Mit 149 € kostet sie mehr als doppelt so viel wie der Safe 3, und ans iPhone lässt sie sich nicht anschließen. Für iPhone und iPad gibt es deshalb die BitBox02 Nova* für 175 €, die sich per Bluetooth verbindet. Die Multi Edition unterstützt laut Bitbox Bitcoin, Ethereum, Cardano, Litecoin und über 1.500 Token, weniger als Trezor. Alle Details stehen in meinem BitBox02 Test.

Trezor Safe 3: die günstige Open-Source-Wallet
Trezor ist der Pionier: Die erste Trezor-Wallet kam 2014 auf den Markt, und der Code war von Anfang an offen. Der Safe 3 bringt für 59 € einen Sicherheitschip mit EAL6+-Zertifizierung mit. Eingerichtet war er im Test in unter 3 Minuten, die Wiederherstellung aus 12 Wörtern klappte fehlerfrei. Die Echtheitsprüfung hat sofort angeschlagen, als ich ein gebrauchtes Gerät als neu angegeben habe.
Die Schwächen: Das Display ist klein, bedient wird mit zwei Tasten, und am iPhone kannst du nur Kontostand und Empfangsadressen ansehen. Dafür unterstützt Trezor laut eigenen Angaben Tausende Coins und Token. Mehr dazu in meinem Trezor Safe 3 Test.

BitBox02 Nova und Trezor Safe 5
Die BitBox02 Nova* für 175 € ist die Version für das iPhone: Sie verbindet sich per Bluetooth und hat einen Sicherheitschip mit EAL6+-Zertifizierung. Der Trezor Safe 5* für 129 € hat denselben Chip wie der Safe 3, aber einen Farb-Touchscreen, mit dem sich Wörter und Passphrase deutlich bequemer eingeben lassen. Beide habe ich nicht selbst getestet. Die Unterschiede zu den Geschwistern stehen in BitBox02 Nova oder BitBox02 und Trezor Safe 5 oder Safe 3. Wer einen Trezor mit voller iPhone-Unterstützung sucht, findet ihn im Trezor Safe 7.
Weitere Open-Source-Alternativen zu Ledger
Neben Trezor und Bitbox gibt es einige kleinere Hersteller, die vor allem Bitcoin-Nutzer ansprechen. Keines dieser Geräte habe ich selbst getestet, die Angaben stammen von den Herstellern (Stand: November 2026).
- Blockstream Jade: Die Firmware ist offen. Jade hat bewusst keinen Sicherheitschip. Stattdessen wird die PIN über einen Server von Blockstream geprüft, der weder PIN noch Schlüssel kennt. Den Server kannst du auch selbst betreiben (Blockstream). Das ist so offen wie kaum ein anderes Gerät, schützt aber weniger gegen Angriffe mit Spezialwerkzeug.
- Foundation Passport: Bitcoin-only aus den USA, Firmware unter der offenen Lizenz GPLv3, die Hardware-Pläne legt Foundation nach eigenen Angaben ebenfalls offen. Die Firmware der ersten Generation stammt ursprünglich von Coldcard ab (Foundation).
- Keystone: Die Firmware des Keystone 3 Pro liegt offen bei GitHub. Einzelne Bausteine des Hauptprozessors liefert der Chiphersteller laut Keystone aber nur fertig übersetzt aus (Keystone).
- Coldcard: Der Code ist öffentlich, steht aber seit 2020 unter einer Lizenz, die den kommerziellen Weiterverkauf verbietet (Coldcard). Streng genommen ist das „einsehbarer Code“, kein Open Source. Den Seed-Fehler von 2026 habe ich oben beschrieben.
Welche Open-Source-Hardware-Wallet passt zu dir?
- Du willst wenig ausgeben: Trezor Safe 3 für 59 €. Mehr Sicherheit pro Euro bekommst du nicht.
- Du willst die bequemste Bedienung und ein Backup ohne Abschreiben: BitBox02 für 149 €.
- Du nutzt ein iPhone: BitBox02 Nova oder Trezor Safe 7. Safe 3, Safe 5 und die normale BitBox02 kannst du am iPhone nicht voll nutzen.
- Du hast nur Bitcoin: die Bitcoin-only-Ausführung von BitBox02 oder Trezor. Weniger Code heißt weniger Angriffsfläche. Bei einer der BitBox-Lücken 2026 war genau die Bitcoin-only-Ausführung nicht betroffen.
- Du hältst viele verschiedene Coins: Trezor, weil er laut Hersteller deutlich mehr Coins unterstützt.
Egal welches Gerät: Kauf es nur direkt beim Hersteller, also bei Bitbox* oder Trezor*, und sichere deine Wörter zusätzlich auf Metall. Welche Platten sich dafür eignen, steht in meinem Seed-Backup-Vergleich.
Ob du überhaupt alles selbst verwahren solltest, ist eine andere Frage. Ich verteile meine Krypto auf regulierte Börsen und Hardware-Wallets, warum, erkläre ich in Hardware-Wallet sinnvoll?. Alle getesteten Geräte, auch die von Ledger, findest du im Hardware-Wallet-Vergleich.







